Elektrotechnik-Grundlagen für Prüfungen – was wirklich abgefragt wird

Wer sich auf eine Elektrotechnik-Prüfung vorbereitet, stellt früher oder später dieselbe Frage: Was kommt wirklich dran? Das gilt für die ob in der Berufsschule, bei der IHK-Prüfung zum Industriemeister, in der Mechatroniker-Ausbildung oder im Technikerkurs.

Lehrbücher sind umfangreich, Unterrichtsmaterial oft lückenhaft, und die Zeit für eine vollständige Wiederholung aller Inhalte fehlt. Gleichzeitig wiederholen sich in Prüfungen bestimmte Themengebiete zuverlässig, weil diese Themen das Fundament bilden, auf dem alles andere aufbaut.

Die häufigste Fehlannahme bei der Prüfungsvorbereitung lautet: Je mehr Stoff ich auswendig lerne, desto besser. Das stimmt nicht. Prüfungen in der Elektrotechnik, vom Gesellenstück bis zur Meisterprüfung, testen nicht Gedächtnis, sondern Verständnis. Wer das Ohmsche Gesetz auswendig kennt, aber nicht erklären kann, warum der Strom sinkt, wenn der Widerstand steigt, wird an Aufgaben scheitern, die nur leicht anders formuliert sind als im Unterricht. Wer den Zusammenhang versteht, löst auch unbekannte Aufgabenvarianten sicher.

Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick über die Themengebiete, die in Elektrotechnik-Prüfungen auf Berufsschul-, Meister- und Technikerebene zuverlässig abgefragt werden. Und das mit konkreten Aufgabenbeispielen, Lernhinweisen und Verweisen auf vertiefende Inhalte.

  • elektrische Grundgrößen: Spannung, Strom, Widerstand, Leistung
  • Gleich- und Wechselstromkreise, Reihen- und Parallelschaltung
  • elektrisches und magnetisches Feld
  • Wechselstrom, Blindleistung und Leistungsfaktor
  • Schutzmaßnahmen, Netzformen und Personenschutz
  • Antriebstechnik und Steuerungstechnik
  • Messtechnik und systematische Fehlerdiagnose
✦ Schnelle Antwort – Was kommt in der Elektrotechnik-Prüfung?

In nahezu allen Elektrotechnik-Prüfungen auf Berufsschul- und Weiterbildungsebene werden elektrische Grundgrößen (Spannung, Strom, Widerstand, Leistung), Schaltungsanalyse (Reihen- und Parallelschaltung), Wechselstromtechnik (Blindleistung, Leistungsfaktor, cos φ), Schutzmaßnahmen und Personenschutz sowie Antriebstechnik und Steuerungslogik abgefragt.

Der wichtigste Unterschied zwischen Berufsschule und Meister- oder Technikerprüfung liegt dabei in der Tiefe. Auf höherem Niveau wird erwartet, dass Zusammenhänge erklärt, Szenarien bewertet und Fehler systematisch eingegrenzt werden und nicht nur Formeln angewendet.

Die wichtigsten Prüfungsthemen im Überblick

Die folgende Übersicht zeigt die sieben zentralen Themengebiete, die in Elektrotechnik-Prüfungen vorkommen. Jede Karte gibt an, für welche Prüfungsebene das Thema besonders relevant ist.

Thema 01

Elektrische Grundgrößen

Spannung, Strom, Widerstand, Leistung für Ohmsches Gesetz und Plausibilitätsprüfung

Alle Prüfungsebenen
Thema 02

Schaltungsanalyse

Reihen- und Parallelschaltung, Spannungsteiler, Kirchhoffsche Regeln

Alle Prüfungsebenen
Thema 03

Elektrisches & magnetisches Feld

Kondensator, Spule, Induktion, Transformator

Mechatroniker · Techniker
Thema 04

Wechselstromtechnik

Blindleistung, Leistungsfaktor cos φ, Impedanz, Phasenverschiebung

Meister · Techniker
Thema 05

Schutzmaßnahmen & Netzformen

Schutzklassen, PE-Leiter, TN-/TT-/IT-Netz, FI-Schalter, Potenzialausgleich

Alle – besonders Meister
Thema 06

Antriebstechnik

Drehstrommotor, Frequenzumrichter, Anlaufverfahren, Motorschutz

Industriemeister · Mechatroniker
Thema 07

Steuerung & Fehlerdiagnose

SPS-Logik, Freigabebedingungen, systematische Fehlersuche

Industriemeister · Mechatroniker

Thema 1: Elektrische Grundgrößen, der unverzichtbare Ausgangspunkt

Kein Thema kommt in Elektrotechnik-Prüfungen so zuverlässig vor wie die Grundgrößen Spannung, Strom, Widerstand und Leistung. Das liegt daran, dass diese Größen tatsächlich die Basis jeder weiteren Berechnung und jedes weiteren Verständnisses bilden. Wer hier unsicher ist, wird auch bei Schaltungsaufgaben, Motorberechnungen und Fehlerdiagnosen Probleme haben.

Das Ohmsche Gesetz U = R · I beschreibt den Zusammenhang zwischen Spannung, Strom und Widerstand für lineare, ohmsche Verbraucher. In Prüfungen wird es selten direkt abgefragt. Stattdessen erscheint es eingebettet in realistische Szenarien. Warum nimmt der Strom in einem Stromkreis ab, obwohl die Spannung konstant bleibt? Weil der Widerstand gestiegen ist, durch Wärme, Korrosion an Kontakten oder einen zusätzlichen Verbraucher in Reihenschaltung. Wer das versteht, beantwortet solche Fragen sicher, ohne nachzudenken.

Die Leistungsformel P = U · I gilt für ohmsche Verbraucher im Gleichstromkreis. In Wechselstromkreisen mit Motoren oder Transformatoren kommt der Leistungsfaktor cos φ hinzu. Dazu mehr in Thema 4. Für die Grundlagenebene gilt: Spannung, Strom, Widerstand und Leistung müssen sicher ineinander umgerechnet werden können, und Ergebnisse müssen auf Plausibilität geprüft werden.

✎ Aufgabenbeispiel – Grundgrößen

An einem ohmschen Widerstand liegen 230 V an. Es fließt ein Strom von 2,5 A. Berechnen Sie den Widerstand und die aufgenommene Wirkleistung.


Lösung: R = U / I = 230 V / 2,5 A = 92 Ω   |   P = U · I = 230 V · 2,5 A = 575 W

Plausibilitätsprüfung: Ein Heizstab mit etwa 600 W ist realistisch.

Merksatz

Das Ohmsche Gesetz gilt nur für ohmsche, lineare Verbraucher. Motoren, Kondensatoren, Spulen und Transformatoren verhalten sich anders. Für diese Bauteile reicht das Ohmsche Gesetz allein nicht aus, weil zusätzlich induktive oder kapazitive Eigenschaften berücksichtigt werden müssen. Wer das vergisst, macht einen klassischen Prüfungsfehler.

Thema 2: Reihen- und Parallelschaltung, Schaltungsanalyse richtig verstehen

Reihen- und Parallelschaltungen sind das handwerkliche Werkzeug der Elektrotechnik. Wer sie sicher beherrscht, kann nahezu jede Schaltung analysieren, weil jede komplexe Schaltung letztlich aus Kombinationen dieser beiden Grundprinzipien besteht. In Prüfungen werden Schaltungsaufgaben häufig als Szenarien formuliert: Warum fällt die Spannung an diesem Verbraucher so niedrig aus? Was passiert, wenn ein Verbraucher aus der Parallelschaltung entfernt wird?

Das Entscheidende bei der Reihenschaltung ist: Der Strom ist überall gleich, die Spannung teilt sich auf. Das ist der Grund, warum ein defekter Verbraucher in einer Reihenschaltung die gesamte Schaltung unterbricht und warum Spannungsabfall an langen Zuleitungen ein Problem ist. Bei der Parallelschaltung ist es umgekehrt: Die Spannung ist überall gleich, der Strom teilt sich auf. Hier gilt: Jeder Verbraucher zieht seinen eigenen Strom, unabhängig von den anderen.

✎ Aufgabenbeispiel – Parallelschaltung

Zwei Widerstände R1 = 100 Ω und R2 = 150 Ω sind parallel an 24 V angeschlossen. Berechnen Sie den Gesamtstrom und den Gesamtwiderstand.


Lösung:
I1 = 24 / 100 = 0,24 A
I2 = 24 / 150 = 0,16 A
Iges = 0,24 A + 0,16 A = 0,4 A
Rges = U / Iges = 24 V / 0,4 A = 60 Ω

Probe: 1 / Rges = 1 / 100 + 1 / 150 = 1 / 60 ✓

Häufiger Irrtum – Parallelschaltung

Ein oft vorkommender Irrtum ist dieser: „Wenn ich mehr Verbraucher parallel schalte, steigt der Gesamtwiderstand.“ Das Gegenteil ist richtig: Jeder zusätzliche Parallelzweig senkt den Gesamtwiderstand, weil mehr Wege für den Strom entstehen. In Prüfungen ist dieser Denkfehler einer der häufigsten Rechenfehler.

Thema 3: Kondensator, Spule und Transformator

Kondensatoren und Spulen spielen in Mechatroniker- und Technikerprüfungen eine wichtigere Rolle als in einfachen Berufsschulprüfungen. Trotzdem tauchen sie auch auf Berufsschulniveau auf, meist im Zusammenhang mit Entstörung, Motoranlauf oder Transformatoren. Das Grundprinzip: Ein Kondensator speichert Energie im elektrischen Feld, eine Spule speichert Energie im magnetischen Feld. Beide verhalten sich im Gleichstromkreis und im Wechselstromkreis grundlegend unterschiedlich.

Im Gleichstromkreis sperrt ein Kondensator im eingeschwungenen Zustand vollständig, während eine Spule sich wie ein einfacher ohmscher Widerstand (bestehend aus dem Wicklungswiderstand) verhält. Im Wechselstromkreis kehren sich die Verhältnisse um: Der Kondensator lässt Wechselstrom durch (mit einem frequenzabhängigen Blindwiderstand) und die Spule bremst Wechselstrom durch ihre Induktivität. Dieser Zusammenhang ist wichtig für das Verständnis von Motoren, Netzfiltern und Blindleistungskompensation.

Der Transformator ist ein weiteres Prüfungsthema, das auf allen Ebenen vorkommt. Das Übersetzungsverhältnis u = U₁/U₂ = N₁/N₂ = I₂/I₁ ist der Kern: Spannung und Strom verhalten sich umgekehrt proportional zur Windungszahl. Ein Transformator erhöht die Spannung und senkt den Strom oder umgekehrt, ohne die Leistung zu verändern (bei idealem Transformator).

✎ Aufgabenbeispiel – Transformator

Ein Transformator hat 1000 Windungen auf der Primärseite und 50 Windungen auf der Sekundärseite. Die Primärspannung beträgt 230 V. Welche Spannung liegt sekundär an? Welcher Strom fließt primär, wenn sekundär 8 A fließen?


Lösung:
U2 = 230 V · (50 / 1000) = 11,5 V
I1 = 8 A · (50 / 1000) = 0,4 A

Probe:
P1 = 230 V · 0,4 A = 92 W
P2 = 11,5 V · 8 A = 92 W ✓

Thema 4: Wechselstromtechnik, Blindleistung und Leistungsfaktor

Wechselstromtechnik ist auf Meister- und Technikerebene ein sicherer Prüfungsbestandteil. Das liegt daran, dass nahezu alle Industrieanlagen mit Wechsel- oder Drehstrom betrieben werden und ein Meister oder Techniker die Energiekosten, den Leistungsfaktor und die Blindleistungskompensation seiner Anlage beurteilen können muss.

Ein Unterschied zur Gleichstromtechnik liegt in der Phasenverschiebung. Bei ohmschen Verbrauchern sind Spannung und Strom phasengleich. Bei induktiven Verbrauchern wie Motoren oder Transformatoren eilt der Strom der Spannung nach. Dadurch entsteht eine Phasenverschiebung, die zu einer Blindleistung führt. Blindleistung wird periodisch zwischen Quelle und Verbraucher ausgetauscht und verrichtet keine dauerhafte Nutzarbeit, belastet aber Leitungen und Transformatoren. Der Leistungsfaktor cos φ beschreibt das Verhältnis von Wirkleistung zur Scheinleistung. Ein cos φ von 1 bedeutet: die gesamte aufgenommene Scheinleistung wird als Wirkleistung umgesetzt. Ein cos φ von 0,7 bedeutet: nur 70 % der übertragenen Energie werden als Wirkleistung genutzt.

✎ Aufgabenbeispiel – Leistungsfaktor

Eine Anlage nimmt eine Scheinleistung von 10 kVA auf. Der Leistungsfaktor beträgt cos φ = 0,8. Wie groß ist die Wirkleistung? Welche Blindleistung entsteht?


Lösung:
P = S · cos φ = 10 kVA · 0,8 = 8 kW
Q = √(S² − P²) = √(100 − 64) = √36 = 6 kvar

Diese 6 kvar belasten das Netz, ohne Nutzarbeit zu leisten.

Praxistipp – Wechselstromtechnik

Für die Prüfung reicht es nicht, die Formeln zu kennen. Prüfer fragen häufig: „Warum ist ein schlechter Leistungsfaktor für ein Unternehmen teuer?“ Die Antwort: Weil der Netzbetreiber Blindleistung in Rechnung stellen kann und Leitungen sowie Transformatoren für die höhere Scheinleistung ausgelegt werden müssen. Wer diesen Zusammenhang erklären kann, zeigt echtes Verständnis.

Thema 5: Schutzmaßnahmen und Netzformen: Sicherheit als Prüfungsschwerpunkt

Schutzmaßnahmen und Netzformen sind auf Meister- und Fachkraftebene mit Abstand das prüfungsrelevanteste Elektrotechnik-Thema. Das hat einen einfachen Grund: Wer Mitarbeiter führt und Verantwortung für Anlagen trägt, muss Sicherheitskonzepte kennen, verstehen und auch erklären können.

Zu den sicher abgefragten Inhalten gehören die Schutzklassen I, II und III, die Funktion des Schutzleiters (PE), der Unterschied zwischen Schutzleiter und Neutralleiter, die Grundprinzipien von TN-, TT- und IT-Netz sowie die Funktion und der korrekte Einsatz von FI-Schutzschaltern. Darüber hinaus werden Potenzialausgleich, Erdung und die Zusammenhänge zwischen diesen Konzepten regelmäßig abgefragt, weil sie die Basis bilden, auf der alle anderen Schutzmaßnahmen aufbauen.

In Prüfungsaufgaben wird häufig ein konkretes Szenario beschrieben: Ein Gerät der Schutzklasse I hat einen Isolationsfehler. Was passiert im TN-Netz? Was passiert im TT-Netz? Und was ändert sich, wenn der Schutzleiter unterbrochen ist? Wer die Netzformen und Schutzprinzipien wirklich verstanden hat, kann solche Szenarien sicher durchdenken.

✎ Aufgabenbeispiel – Schutzmaßnahmen

Eine Waschmaschine der Schutzklasse I hat einen Isolationsfehler: Der Phasenleiter berührt das Metallgehäuse. Die Anlage ist an ein TN-S-Netz angeschlossen. Beschreiben Sie, was passiert und was passieren würde, wenn der Schutzleiter unterbrochen wäre.


Lösung:
Mit intaktem Schutzleiter: Das Gehäuse wird auf Erdpotenzial gehalten. Es fließt ein hoher Fehlerstrom über den Schutzleiter (PE), sodass die Schutzeinrichtung (Leitungsschutzschalter oder Fehlerstromschutzschalter) abschaltet.

Mit unterbrochenem Schutzleiter: Das Gehäuse kann auf Phasenspannung (230 V) liegen. Berührt eine Person die Waschmaschine, kann ein gefährlicher Körperstrom fließen. Die Sicherung löst dabei häufig nicht aus, weil der Strom zu klein ist, um die Überstromschutzeinrichtung anzusprechen.

Thema 6: Antriebstechnik mit Motoren und Frequenzumrichtern

Antriebstechnik ist für Industriemeister Metall, Industriemeister Elektrotechnik und Mechatroniker ein wichtiges Prüfungsthema. Drehstrommotoren sind der Standard in der Industrie, und das Verständnis ihrer Funktionsweise, ihrer Anlaufverfahren und ihres Schutzes ist prüfungsrelevant.

Die wichtigsten Inhalte für die Prüfung sind das Betriebsprinzip des Drehstrommotors, der Zusammenhang zwischen Drehzahl, Frequenz und Polpaarzahl (n = 60 · f / p), die Unterschiede zwischen Direktanlauf, Stern-Dreieck-Anlauf und Frequenzumrichter sowie der Motorschutz durch Motorschutzschalter und thermische Überlastrelais. Frequenzumrichter werden in Prüfungen besonders häufig thematisiert, weil sie sowohl Energieeinsparung als auch Maschinenschutz betreffen und deshalb betriebswirtschaftlich und technisch relevant sind.

✎ Aufgabenbeispiel – Drehstrommotor

Ein Drehstrommotor hat 4 Pole (p = 2 Polpaare) und wird mit 50 Hz betrieben. Berechnen Sie die Synchrondrehzahl. Welche Synchrondrehzahl ergibt sich, wenn der Motor über einen Frequenzumrichter mit 35 Hz betrieben wird?


Lösung:
n = (60 · f) / p = (60 · 50) / 2 = 1500 min-1

Bei 35 Hz:
n = (60 · 35) / 2 = 1050 min-1

Die Drehzahl sinkt proportional zur Frequenz. Das ist das Grundprinzip der Drehzahlregelung mit Frequenzumrichtern.

Thema 7: Steuerungstechnik und systematische Fehlerdiagnose

Steuerungstechnik und Fehlerdiagnose sind Themen, die auf Meister- und Technikerebene besonders hoch gewichtet werden, weil sie direkt die Führungsaufgabe widerspiegeln. Ein Industriemeister oder Mechatroniker-Techniker muss in der Lage sein, eine nicht startende Maschine systematisch zu analysieren, die Ursache einzugrenzen und die richtigen Maßnahmen einzuleiten.

In Prüfungen werden dafür realistische Szenarien beschrieben: Eine Maschine startet nicht trotz betätigtem Startknopf. Ein Förderband bleibt stehen, ohne dass eine Fehlermeldung erscheint. Ein Antrieb startet, schaltet aber nach Sekunden wieder ab. Prüfer erwarten keine vollständige SPS-Programmierung, aber dafür ein systematisches Vorgehen: Erst externe Ursachen prüfen (Spannungsversorgung, Freigabebedingungen, Schutztür), dann interne (Motorschutzschalter, Überlast, Defekt). Wer direkt mit „Motor defekt“ antwortet, zeigt, dass er nicht systematisch denkt.

✎ Aufgabenbeispiel – Fehlerdiagnose

Ein Förderband läuft nach einem Produktionsstopp nicht wieder an. Die Steuerung zeigt keine Fehlermeldung. Der Startknopf wurde betätigt. Beschreiben Sie Ihre systematische Vorgehensweise.


Lösung (Denkweg):
1. Spannungsversorgung der Steuerung prüfen.
2. Freigabebedingungen prüfen: Schutztür geschlossen? Druckluftsystem in Ordnung? Quittierung nach NOT-AUS erfolgt?
3. Motorschutzschalter prüfen, ob ausgelöst?
4. Erst wenn alle vorherigen Punkte ausgeschlossen sind, einen Motor- oder Antriebsdefekt als mögliche Ursache betrachten.

Wichtig ist die systematische Vorgehensweise. In Prüfungen wird häufig der Denkweg bewertet, nicht nur die endgültige Antwort.

Wie man sich wirklich vorbereitet: was funktioniert und was nicht

Die häufigste ineffektive Lernmethode für Elektrotechnik-Prüfungen ist das Durchlesen von Zusammenfassungen. Das Gehirn speichert Formeln und Begriffe, ohne die Zusammenhänge aufzubauen, die für die Prüfung entscheidend sind. In der Prüfung sieht die Aufgabe dann leicht anders aus als im Unterricht, und das Wissen ist nicht mehr abrufbar.

Was wirklich funktioniert: Aktives Problemlösen unter prüfungsähnlichen Bedingungen. Aufgaben ohne Hilfe lösen, Ergebnisse auf Plausibilität prüfen, und Lösungswege laut oder schriftlich erklären. Wenn Sie einen Zusammenhang so erklären können, dass jemand ohne Vorwissen ihn versteht, haben Sie ihn wirklich verstanden und werden ihn auch in einer unbekannten Aufgabenvariante anwenden können.

MethodeWirksamkeitWarum
Zusammenfassungen lesenGeringKein aktiver Abruf; Zusammenhänge werden nicht aufgebaut
Formeln auswendig lernenGering bis mittelVersagt bei abgewandelten Aufgaben; kein Verständnis
Aufgaben ohne Hilfe lösenHochAktiver Abruf; deckt Wissenslücken zuverlässig auf
Ergebnisse erklären (laut oder schriftlich)Sehr hochErzwingt echtes Verständnis; Lücken werden sofort sichtbar
Prüfungsaufgaben aus Vorjahren lösenSehr hochPrüfungsrealistische Formulierungen; zeigt Schwerpunkte
Plausibilitätsprüfung übenHochVerhindert unsinnige Ergebnisse; zeigt Zusammenhänge
Praxistipp – Lernstrategie

Beginnen Sie nicht mit dem schwierigsten Thema, sondern mit dem Fundament. Wer Grundgrößen und das Ohmsche Gesetz wirklich sicher beherrscht, löst bereits einen großen Teil typischer Prüfungsaufgaben. Bauen Sie anschließend Ihr Wissen Schritt für Schritt auf: von der Schaltungsanalyse über die Wechselstromtechnik bis hin zu Schutzmaßnahmen und Antriebstechnik. Jedes Thema baut auf dem vorherigen auf.

Häufige Fragen zur Elektrotechnik-Prüfungsvorbereitung

Was kommt in der Elektrotechnik-Grundlagenprüfung in der Berufsschule?

In der Berufsschulprüfung sind elektrische Grundgrößen (Spannung, Strom, Widerstand, Leistung), Ohmsches Gesetz, Reihen- und Parallelschaltung sowie einfache Schaltungsberechnungen die sicheren Kernthemen. Je nach Ausbildungsberuf kommen Transformator, Motorgrundlagen und Schutzmaßnahmen hinzu. Prüfungsaufgaben sind fast immer als realistische Szenarien formuliert und nicht als isolierte Formeln.

Welche Elektrotechnik-Themen kommen beim Industriemeister vor?

Beim Industriemeister, ob Metall oder Elektrotechnik, sind Schutzmaßnahmen und Personenschutz, Antriebstechnik (Drehstrommotor, Frequenzumrichter), Steuerungslogik (Freigabebedingungen, Verriegelungen), systematische Fehlerdiagnose und Energieeffizienz (Wirkleistung, Blindleistung, cos φ) die wichtigsten Prüfungsthemen. Im Vordergrund steht nicht das Berechnen, sondern das Erklären und Beurteilen.

Muss ich für die Mechatroniker-Prüfung Wechselstromtechnik können?

Ja. Wechselstromtechnik, insbesondere Blindleistung, Leistungsfaktor, Kondensator- und Spulenverhalten, ist ein fester Bestandteil der Mechatroniker-Prüfung auf Facharbeiter- und Technikerebene. Hinzu kommen Transformatoren, Drehstrommotoren und deren Anlaufverhalten. Die Tiefe der Aufgaben ist höher als in der einfachen Berufsschulprüfung.

Wie lerne ich Elektrotechnik wirklich effektiv für die Prüfung?

Nicht nur durch Lesen, sondern durch aktives Lösen von Aufgaben. Lösen Sie Prüfungsaufgaben aus Vorjahren ohne Hilfsmittel, prüfen Sie Ihre Ergebnisse auf Plausibilität, und erklären Sie Lösungswege schriftlich oder laut. Wer einen Zusammenhang erklären kann, hat ihn verstanden und wird ihn auch in unbekannten Aufgabenvarianten anwenden können.

Was ist der häufigste Fehler in Elektrotechnik-Prüfungen?

Der häufigste Fehler ist fehlende Plausibilitätsprüfung. Viele Prüflinge berechnen ein Ergebnis, schreiben es auf und merken nicht, dass 500 Ampere in einer einfachen Steuerschaltung physikalisch unsinnig sind. Der zweite häufige Fehler: Das Ohmsche Gesetz auf Verbraucher anwenden, für die es nicht gilt: Motoren, Kondensatoren, Spulen. Und der dritte Fehler ist, in Fehlerdiagnoseaufgaben sofort die komplexeste Ursache nennen, statt systematisch von außen nach innen zu arbeiten.

Grundlagen verstehen schlägt Stoff auswendig lernen

Elektrotechnik-Prüfungen in der Berufsschule, bei der IHK oder in der Technikerausbildung testen nicht, wie viel jemand auswendig gelernt hat. Sie testen, ob jemand elektrische Zusammenhänge versteht, auf neue Situationen anwenden und erklären kann. Das ist eine andere Anforderung und wird mit einer anderen Lernstrategie erfüllt.

Wer die sieben Kernthemen dieses Beitrags wirklich versteht, ist für nahezu jede Elektrotechnik-Prüfung auf Berufsschul-, Meister- und Technikerebene solide vorbereitet. Weil diese das Fundament bilden, auf dem alle weiteren Inhalte aufbauen. Grundgrößen, Schaltungsanalyse, Wechselstrom, Schutzmaßnahmen, Antriebstechnik, Steuerungslogik und systematische Fehlerdiagnose: Wer hier sicher ist, hat echtes Prüfungswissen, kein auswendig gelerntes.

Über den Autor

Gerd Weichhaus ist Buchautor und beschäftigt sich seit vielen Jahren praktisch mit Elektronik, Reparaturtechnik und der Analyse technischer Zusammenhänge.

Seine Inhalte verbinden praktische Erfahrung mit verständlichen Erklärungen, sodass auch Einsteiger Technik nachvollziehen können. Mehr über den Autor