Industriemeister Metall: Elektrotechnik-Prüfung – die wichtigsten Themen kompakt erklärt

Wer die Weiterbildung und Industriemeister Metall Prüfung absolviert, stellt schnell fest: Elektrotechnik ist kein Randthema mehr. In der IHK-Prüfung tauchen steuerungstechnische Szenarien, Schutzmaßnahmen und Antriebsfragen regelmäßig auf. Und das oft genau dort, wo Prüflinge mit mechanischem Hintergrund unsicher sind.

Dieser Beitrag zeigt kompakt und praxisnah, welche elektrotechnischen Themen in der Industriemeister-Metall-Prüfung wirklich gefragt werden, wie Prüfer denken und wie Sie sich gezielt vorbereiten.

Viele Meisterschüler beschreiben Elektrotechnik als das Fach, das sich „nicht anfassen lässt“. Ein Kurzschluss ist unsichtbar, eine Schutzmaßnahme zeigt sich erst im Fehlerfall. Und genau dieser abstrakte Charakter führt dazu, dass Prüflinge in elektrotechnischen Aufgaben häufig Punkte lassen. Sie können es nicht einordnen.

Der Unterschied liegt selten im Auswendiglernen von Formeln. Er liegt im Verständnis der Zusammenhänge:

Warum löst ein FI-Schalter bei bestimmten Fehlern aus, aber nicht bei anderen? Warum spart ein Frequenzumrichter Energie, obwohl der Motor genauso viel Arbeit leistet?

Wer das erklären kann, besteht auch Prüfungsaufgaben, die anders formuliert sind als im Lehrgang.

Dieser Beitrag entstand aus langjähriger Auseinandersetzung mit technischen Prüfungsinhalten und der Arbeit mit Antrieben, Steuerungen und Schutzeinrichtungen. Er gibt keine Lerngarantie, aber eine klare Orientierung: was wirklich gefragt wird, wie systematisches Vorgehen in Prüfungsaufgaben bewertet wird und wo typische Denkfehler entstehen.

Folgende Kernbereiche werden in diesem Beitrag behandelt:

  • Elektrische Grundgrößen und ihre Bedeutung im Produktionsumfeld
  • Schutzmaßnahmen und Sicherheitskonzepte als Prüfungsschwerpunkt
  • Antriebstechnik, Frequenzumrichter und Motorschutz
  • Steuerungstechnik und logisches Denken in Prüfungsaufgaben
  • Sensoren, Aktoren und deren Einsatz in der Fertigung
  • Systematische Fehlersuche als übergreifende Kompetenz
  • Typische Denkfehler und wie man sie vermeidet

Warum Elektrotechnik im Industriemeister Metall so wichtig ist

Die Weiterbildung zum Industriemeister Metall zielt auf Fachkräfte ab, die Produktionsprozesse leiten, Mitarbeiter führen und technische Probleme selbstständig lösen können. Praktisch bedeutet das:

Wenn eine Anlage steht, muss ein Industriemeister die Ursache finden, auch wenn sie elektrischer Natur ist. Das aber nicht, um selbst als Elektriker tätig zu werden. Es geht einfach darum, die richtigen Maßnahmen einzuleiten, Risiken richtig einzuschätzen und mit Fachkräften aus der Elektrotechnik auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Die IHK-Prüfung zum Industriemeister Metall besteht aus mehreren Prüfungsteilen, darunter der handlungsspezifische Teil, der unter anderem technologische Zusammenhänge abdeckt. Elektrotechnische Inhalte sind dort regelmäßig vertreten, oft eingebettet in praktische Szenarien aus der Metallverarbeitung und Produktion. Wer die Grundlagen sicher versteht, hat deshalb einen klaren Vorteil.

Merksatz
Elektrotechnik wird im Industriemeister Metall nicht als Spezialgebiet geprüft, sondern als Querschnittskompetenz. Wer elektrische Zusammenhänge in mechanischen Produktionsprozessen einordnen kann, überzeugt Prüfer deutlich mehr als jemand, der nur ein paar Formeln auswendig gelernt hat.

Elektrische Grundgrößen sicher verstehen

Der Ausgangspunkt jeder elektrotechnischen Prüfungsvorbereitung sind Spannung, Strom, Widerstand und Leistung. Diese Grundgrößen wirken erst einmal simpel. Tatsächlich werden sie in Prüfungen aber auf verschiedene Arten abgefragt, oft in Zusammenhang mit realen Betriebssituationen.

Eine typische Aufgabe lautet etwa: Warum sinkt der Strom in einer Anlage, obwohl die Spannung konstant ist? Oder: Was passiert mit der Leistungsaufnahme eines Motors, wenn der Widerstand in der Zuleitung steigt?

Wer diese Fragen beantworten will, muss nicht nur rechnen können. Er muss auch verstehen, was physikalisch passiert. Spannung ist der Antrieb im Stromkreis. Strom beschreibt, wie viel elektrische Ladung tatsächlich fließt. Widerstand begrenzt diesen Fluss, und Leistung ist das Produkt aus Spannung und Strom, also das Maß dafür, wie viel Energie eine Anlage tatsächlich umsetzt. Für einen Industriemeister Metall ist das kein abstraktes Schulwissen. Es ist vielmehr die Grundlage, um Energieverbrauch, Wärmeentwicklung und Anlagenzustand richtig beurteilen zu können.

Skizze Spannung, Strom Widerstand und Leistung
Skizze wie Spannung, Strom Widerstand und Leistung zusammenwirken
Elektrische Grundgrößen – Überblick für die Prüfung
› Spannung (U) – Volt (V)
Treibende Kraft im Stromkreis; ohne Spannungsdifferenz kein Strom
› Widerstand (R) – Ohm (Ω)
Begrenzt den Stromfluss; steigt mit Temperatur bei Metallen
› Arbeit (W) – Kilowattstunde (kWh)
Leistung mal Zeit; relevant für Energiekosten in der Produktion
› Strom (I) – Ampere (A)
Maß für den Fluss elektrischer Ladung; abhängig von Spannung und Widerstand
› Leistung (P) – Watt (W)
Energie pro Zeit; P = U · I gilt für ohmsche Verbraucher
› Ohmsches Gesetz
U = R · I – gilt nur für ohmsche, lineare Verbraucher

Für die Prüfung gilt: Ergebnisse immer auf Plausibilität prüfen. Ein Strom von 500 Ampere in einer einfachen Steuerschaltung ist unrealistisch. Prüfer erwarten, dass Meisterschüler solche Werte hinterfragen. Denn das zeigt echtes Verständnis.

Schutzmaßnahmen – der prüfungsrelevanteste Elektrotechnik-Bereich

Kein elektrotechnisches Thema ist in der Industriemeister-Prüfung häufiger vertreten als Schutzmaßnahmen. Das hat einen guten Grund: Ein Industriemeister Metall trägt Verantwortung für Mitarbeiter. Wer Schutzkonzepte nicht versteht, kann keine verantwortungsvolle Entscheidung in der Produktion treffen. Das gilt bei der Maschinenabnahme, der Einweisung von Mitarbeitern oder der Beurteilung von Gefährdungen.

Prüfungen verlangen in diesem Bereich kein detailliertes Normenwissen, aber ein klares Verständnis der wichtigsten Schutzprinzipien. Dazu gehören der Basisschutz, der direkten Kontakt mit spannungsführenden Teilen verhindert, der Fehlerschutz, der bei indirektem Kontakt durch einen Isolationsfehler schützt und zusätzliche Schutzmaßnahmen wie Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs oder umgangssprachlich FIs). Ebenso relevant sind Schutzklassen, Schutzarten (IP-Kennzeichen) und der Unterschied zwischen Schutzleiter, Erdung und Potenzialausgleich.

Schutzmaßnahmen – Was Prüfer erwarten
› Basisschutz
Schutz vor direktem Berühren spannungsführender Teile (Isolierung, Abdeckung, Gehäuse)
› Schutzklasse I
Gehäuse über Schutzleiter geerdet; bei Fehler fließt Strom ab, Sicherung löst aus
› FI-Schutzschalter (RCD)
Trennt bei Differenzstrom über dem eingestellten Auslösestrom (typisch 30 mA für Personenschutz); schützt vor Körperdurchströmung
› Fehlerschutz
Schutz bei Isolationsfehler; realisiert durch Schutzleiter, FI-Schalter oder Schutzkleinspannung
› Schutzklasse II
Doppelte oder verstärkte Isolierung; kein Schutzleiter erforderlich
› Potenzialausgleich
Verbindet metallische Teile; verhindert gefährliche Spannungsunterschiede

Ein klassischer Prüfungsfall: Warum hat eine Leuchte der Schutzklasse II keinen Schutzleiteranschluss, ist aber trotzdem sicher? Die Antwort liegt in der doppelten Isolierung, die einen Fehlerfall auf zwei voneinander unabhängige Barrieren verteilt. Wer dieses Prinzip erklären kann, zeigt echtes Sicherheitsverständnis. Genau das wird in der Prüfung bewertet.

Typische Prüfungsfalle Viele Prüflinge nennen Schutzmaßnahmen korrekt, können aber nicht erklären, warum sie funktionieren. Prüfer fragen gezielt nach: „Was passiert, wenn der Schutzleiter fehlt?“ oder „Warum reicht bei Schutzklasse I der Schutzleiter allein nicht immer aus?“ Wer nur Fachbegriffe nennt, verliert hier Punkte.

Antriebstechnik: Motoren, Frequenzumrichter und Motorschutz

In der Metallverarbeitung sind elektrische Antriebe allgegenwärtig: Antriebsmotoren in Werkzeugmaschinen, Förderbändern, Kompressoren und Pressen. Für einen Industriemeister Metall ist das Verständnis dieser Antriebe wichtig.

Drehstrommotoren sind der Standard in der Industrie. Prüfungen thematisieren deren Betriebsprinzip, die Zusammenhänge zwischen Drehzahl, Frequenz und Polpaarzahl sowie typische Betriebszustände und Fehlerbilder. Besonders häufig werden Frequenzumrichter thematisiert: Warum werden sie eingesetzt? Welche Vorteile bieten sie gegenüber einem direkten Anlauf? Was bedeutet weiche Anlauframpe für Maschine und Netz?

Frequenzumrichter ermöglichen eine stufenlose Drehzahlregelung, reduzieren den Anlaufstrom und schonen mechanische Komponenten damit erheblich. In Prüfungen werden Szenarien aufgegriffen, in denen eine Maschine nach Umstieg auf einen Frequenzumrichter weniger Energie verbraucht oder mechanisch ruhiger läuft. Und es wird erwartet, dass der Prüfling diese Zusammenhänge korrekt erklären kann.

Drehstrommotor und Frequenzumrichter – Prüfungsthemen kompakt
› Drehzahl und Frequenz
n = (60 · f) / p; Drehzahl hängt von Netzfrequenz und Polpaarzahl ab
› Stern-Dreieck-Anlauf
Reduziert Anlaufstrom; klassische Schaltung für größere Motoren
› Motorschutzschalter
Schützt vor Überlast durch einstellbaren Auslösestrom; kein Ersatz für Sicherung
› Direktanlauf
Hoher Anlaufstrom (ca. 5–8-fach); Netzbelastung und mechanischer Stoß
› Frequenzumrichter
Stufenlose Drehzahlregelung; sanfter Anlauf; Energieeinsparung durch Anpassung
› Thermischer Überlastschutz
Löst bei dauerhafter Überlast aus; Bimetall oder elektronisch
Merksatz
Frequenzumrichter sparen Energie nicht, indem sie die Spannung reduzieren, sondern indem sie die Drehzahl und damit die mechanische Leistung an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Bei Lüftern und Pumpen bei häufigem Teillastbetrieb kann das Energieeinsparungen von 30–50 % bedeuten. Und das ist ein typisches Prüfungsthema.

Steuerungstechnik: Logik verstehen statt Programme lernen

Steuerungstechnik ist für Industriemeister Metall ein zentrales Querschnittsthema. Dabei geht es in der Prüfung nicht darum, SPS-Programme zu schreiben oder komplexe Automatisierungskonzepte zu entwickeln. Gefragt sind grundlegende Verständnisse:

Was ist eine Verknüpfungssteuerung, was ist eine Ablaufsteuerung? Was bedeuten Freigabebedingungen, Verriegelungen und Quittierungen im Betriebskontext?

Typische Aufgaben beschreiben ein Szenario wie etwa dieses:

Eine Maschine startet nicht, obwohl der Startknopf betätigt wird. Der Druck ist zu niedrig, deshalb ist eine Freigabebedingung nicht erfüllt. Prüflinge sollen erklären, warum die Maschine nicht startet und die Logik dahinter beschreiben. Das erfordert das Verständnis, dass Steuerungen auf Bedingungen reagieren, nicht auf einzelne Signale.

BegriffBedeutungPraxisbeispiel
VerknüpfungssteuerungAusgang hängt von Kombination der Eingangszustände abMaschine startet nur, wenn Schutztür geschlossen UND Druck in Ordnung
AblaufsteuerungSchrittfolge wird nacheinander abgearbeitetAutomatischer Werkzeugwechsel mit definierten Schritten
FreigabebedingungSignal muss vorliegen, damit nächste Funktion aktiv werden kannKühlmittel muss fließen, bevor Bearbeitung beginnt
VerriegelungVerhindert unzulässige ZuständeVorwärts- und Rückwärtslauf können nicht gleichzeitig aktiv sein
QuittierungFehler muss bewusst bestätigt werden, bevor Betrieb weiterläuftNach NOT-AUS muss Anlage manuell freigegeben werden
NOT-AUS vs. NOT-HALTNOT-AUS schaltet bei Gefahr schnell ab oder setzt still; NOT-HALT stoppt kontrolliert, Energie bleibt ggf. erhaltenNOT-AUS an gefährlichen Maschinen; NOT-HALT bei schnellen Pressen
Praxistipp
Wenn in einer Prüfungsaufgabe eine Maschine trotz betätigtem Startknopf nicht anläuft, prüfen Sie immer zuerst, ob Freigabebedingungen fehlen. Häufige Ursachen: Sicherheitskreis nicht geschlossen, Schutztür offen, Druck zu niedrig, Quittierung nach Störung nicht erfolgt.

Sensoren und Aktoren in der Metallverarbeitung

Moderne Fertigungsanlagen arbeiten mit einer Vielzahl von Sensoren, die kontinuierlich Messwerte erfassen und an Steuergeräte weitergeben. Für eine Industriemeister Metall Prüfung ist das Verständnis dieser Signalkette wichtig: Was misst der Sensor, welches Signal liefert er und wie reagiert die Steuerung darauf?

Induktive Näherungsschalter erkennen Metallteile berührungslos und werden in der Metallverarbeitung sehr häufig eingesetzt, etwa zur Positionserkennung von Werkstücken, zur Überwachung von Werkzeugpositionen oder zur Endlagenerkennung. Kapazitive Sensoren erfassen auch nichtmetallische Materialien. Temperatursensoren wie PT100 oder Thermoelemente messen Prozesstemperaturen an Werkzeugen, Kühlkreisläufen oder Antrieben. Drucksensoren überwachen Hydraulik- und Pneumatiksysteme.

In Prüfungen wird häufig gefragt, wie ein Sensor geprüft werden kann, wenn das Signal fehlt. Das erfordert das Verständnis, dass ein Sensorsignal normalerweise ein definiertes Spannungsniveau hat und dass das Fehlen oder Falschsein dieses Signals auf einen Defekt, eine Fehlposition oder eine Leitungsunterbrechung hinweisen kann.

Sensortypen in der Metallverarbeitung – Prüfungsüberblick
› Induktiver Sensor
Berührungslose Metallerkennung; häufig in Positionieraufgaben; PNP- oder NPN-Ausgang
› PT100 / PT1000
Widerstandsthermometer; Widerstand steigt linear mit Temperatur; sehr genau
› Drucksensor
Wandelt Druck in Spannung oder Strom um; typisch 4–20 mA Ausgang
› Kapazitiver Sensor
Erkennt leitende und nichtleitende Materialien; empfindlicher gegenüber Umgebung
› Thermoelement
Misst Temperaturdifferenz; für hohe Temperaturen bis über 1000 °C geeignet
› Encoder / Drehgeber
Erfasst Drehbewegung oder Position; inkremental oder absolut

Systematische Fehlersuche – die übergreifende Prüfungskompetenz

Fehlersuche ist kein isoliertes Prüfungsthema, sondern das Ergebnis aller bisher genannten Kompetenzen. Prüfungen für den Industriemeister Metall stellen typischerweise praxisnahe Szenarien dar: Eine Anlage läuft nicht wie erwartet, ein Antrieb reagiert nicht, ein Sensor liefert kein Signal. Und dann wird erwartet, dass der Prüfling systematisch vorgeht und nicht rät.

Systematische Fehlersuche bedeutet: Zuerst das Symptom genau beschreiben, dann mögliche Ursachen eingrenzen, anschließend überprüfen, ob externe Ursachen wie fehlende Spannungsversorgung, unterbrochene Leitungen oder fehlende Freigaben vorliegen, bevor interne Defekte in Betracht gezogen werden. Dieser logische Ansatz, also von außen nach innen, von einfach nach komplex, ist genau das, was Prüfer in solchen Szenarien bewerten.

Ein häufig geprüftes Beispiel: Ein Förderband bleibt stehen. Die Steuerung zeigt keine Fehlermeldung. Was prüfen Sie zuerst? Die richtige Antwort beginnt bei der Spannungsversorgung des Antriebsmotors, prüft dann den Motorschutzschalter, kontrolliert Freigabebedingungen und landet erst zuletzt beim Motordefekt. Wer sofort mit „Motor defekt“ antwortet, zeigt, dass er nicht systematisch denkt.

Typische Prüfungsfalle
In Fehlerdiagnose-Aufgaben wird nicht die Lösung bewertet, sondern der Weg dorthin. Prüfer wollen sehen, dass Sie strukturiert vorgehen. Wer direkt die richtige Ursache nennt, ohne den Diagnoseweg zu beschreiben, erhält oft weniger Punkte als erwartet.

Energieeffizienz und Betriebskosten verstehen

Ein zunehmend wichtiger Prüfungsbereich für Industriemeister Metall ist Energieeffizienz. Dabei geht es um konkrete betriebswirtschaftliche Zusammenhänge: Was kostet eine Anlage im Betrieb? Welche Maßnahmen reduzieren den Energieverbrauch? Was ist der Unterschied zwischen Wirkleistung und Blindleistung, und warum ist eine schlechte Leistungsfaktorkorrektur für ein Unternehmen teuer?

Prüfungen greifen typischerweise Szenarien auf, in denen der Energieverbrauch berechnet oder bewertet werden soll. Wer versteht, dass ein Motor, der häufig im Teillastbereich betrieben wird, mit einem Frequenzumrichter deutlich weniger Energie verbraucht als im Festnetzanlauf, kann solche Aufgaben sicher lösen, auch wenn die Zahlen anders gewählt werden als im Lehrgangsunterricht.

BegriffErklärungPrüfungsrelevanz
Wirkleistung (P)Tatsächlich umgesetzte Leistung in Watt; wird in kWh abgerechnetBerechnung von Betriebskosten; Energieverbrauch pro Schicht
Blindleistung (Q)Wird von induktiven Lasten (Motoren) aufgenommen; erzeugt keine nutzbare ArbeitWarum Blindleistung Netze belastet und was Kompensation bringt
Leistungsfaktor (cos φ)Verhältnis von Wirk- zu Scheinleistung; 1 = ideal, <0,9 = problematischWarum ein schlechter Leistungsfaktor betriebswirtschaftlich teuer ist
Energieeinsparung durch FUFrequenzumrichter passen Drehzahl an Bedarf an; besonders wirksam bei Pumpen und LüfternBerechnung des Einsparpotenzials; Amortisation von Investitionen

Typische Denkfehler und wie man sie vermeidet

Elektrotechnik-Prüfungen für den Industriemeister Metall haben eine Besonderheit: Viele Prüfungsfragen sind bewusst so formuliert, dass sie typische Denkfehler triggern. Wer diese kennt, vermeidet sie.

  • Strom und Spannung werden verwechselt: Strom fließt, Spannung treibt. Eine Spannung ohne Stromkreis bewirkt nichts, ein Strom ohne Spannung ist physikalisch unmöglich.
  • Das Ohmsche Gesetz wird auf alle Bauteile angewendet: Es gilt nur für lineare, ohmsche Verbraucher. Motoren, Transformatoren und Kondensatoren verhalten sich anders.
  • Schutzleiter und Nullleiter werden gleichgesetzt: Der Schutzleiter (PE) leitet Fehlerströme ab und ist gelbgrün gekennzeichnet. Der Neutralleiter (N) ist der Rückleiter im Wechselstromnetz. Diese Verwechslung ist ein klassischer Prüfungsfehler.
  • Fehlersuche ohne System: Wer das erste plausible Ergebnis nennt, ohne es herzuleiten, zeigt kein Verständnis. Prüfer bewerten den Denkweg.
  • Sicherheit als Formalität behandeln: Schutzmaßnahmen sind kein Papierkram, sondern die technische Realisation von Personensicherheit. Prüfer erkennen sofort, ob jemand das versteht oder nur auswendig gelernt hat.
Lernempfehlung
Erklären Sie elektrotechnische Zusammenhänge laut oder schriftlich in eigenen Worten als Erklärungen für einen Kollegen ohne Elektrokenntnisse. Wer etwas verständlich erklären kann, hat es wirklich verstanden. Und genau das wird in der Industriemeister-Prüfung bewertet.

Lernstrategie für die elektrotechnischen Prüfungsthemen

Die größte Gefahr bei der Vorbereitung auf die elektrotechnischen Anteile der Industriemeister-Prüfung ist das reine Auswendiglernen. Formeln und Fachbegriffe sind schnell vergessen, wenn sie nicht verstanden wurden. Gleichzeitig sind Prüfungsaufgaben oft anders formuliert als im Unterricht. Wer nur gelernt hat, wie eine Aufgabe aussieht, und nicht, was dahinter steckt, stößt dann schnell an seine Grenzen.

Effektive Vorbereitung bedeutet: Grundlagen so lange durchdenken, bis die Zusammenhänge klar sind. Warum verhält sich ein Drehstrommotor beim Direktanlauf anders als mit Frequenzumrichter? Warum reicht ein Schutzleiter allein nicht immer als vollständige Schutzmaßnahme? Und warum löst ein FI-Schalter bei einem Körperschluss aus, aber nicht bei einem einfachen Kurzschluss zwischen Phase und Neutralleiter? Diese Fragen führen zu echtem Verständnis und damit zu sicheren Prüfungsleistungen.

Besonders hilfreich ist das Durcharbeiten praxisnaher Szenarien: Anlagen mit typischen Fehlern, Schaltpläne mit Messaufgaben, Energiebilanzen mit Kostenberechnungen. Wer diese Aufgaben aktiv löst und die Ergebnisse reflektiert, bereitet sich deutlich effektiver vor als jemand, der nur Zusammenfassungen liest.

Elektrotechnik als Schlüssel zur Meisterprüfung Metall

Elektrotechnik ist für den Industriemeister Metall keine Nebensache. Sie ist die Sprache, in der moderne Produktionsanlagen kommunizieren. Das erfolgt über Sensorsignale, Steuergeräte, Schutzeinrichtungen und Antriebssysteme. Wer diese Sprache versteht, kann Anlagen sicher beurteilen, Fehler systematisch eingrenzen und Mitarbeiter kompetent führen.

In der IHK-Prüfung zahlt sich dieses Verständnis direkt aus. Prüfer stellen keine Trickaufgaben. Sie wollen aber sehen, ob Prüflinge die Zusammenhänge wirklich verstanden haben und in der Lage sind, sie auf neue Situationen anzuwenden. Wer die Grundlagen sicher beherrscht, Schutzmaßnahmen erklären kann, Antriebe und Steuerungen im Kontext der Metallverarbeitung einordnet und systematisch fehlersucht, ist für die elektrotechnischen Prüfungsanteile gut aufgestellt.

Weiterführende Inhalte, die diese Vorbereitung sinnvoll ergänzen, sind der Beitrag „Industriemeister Elektrotechnik – die wichtigsten Prüfungsthemen kompakt erklärt“ für einen Vergleich mit dem elektrotechnisch geprägten Lehrgang sowie „Sicher messen in Werkstatt und Betrieb – Gefahren, Regeln und typische Fehler“ für den sicheren Umgang mit Messgeräten in der Praxis.

Über den Autor

Gerd Weichhaus ist Buchautor und beschäftigt sich seit vielen Jahren praktisch mit Elektronik, Reparaturtechnik und der Analyse technischer Zusammenhänge.

Seine Inhalte verbinden praktische Erfahrung mit verständlichen Erklärungen, sodass auch Einsteiger Technik nachvollziehen können. Mehr über den Autor