Spannung messen beherrschen viele Einsteiger schnell. Doch beim Strom messen wird es kritisch, und genau hier passieren die meisten Fehler. Der wichtigste Unterschied ist dabei einfach, aber entscheidend:
Während Sie Spannung parallel messen, müssen Sie den Stromkreis für die Strommessung auftrennen und das Multimeter in Reihe anschließen. Wird stattdessen wie gewohnt parallel gemessen, entsteht sofort ein Kurzschluss. Genau deshalb gilt Strom messen als gefährlich und wird oft unterschätzt.
Wer zum ersten Mal ein Multimeter verwendet, beginnt fast immer mit der Spannungsmessung. Das Vorgehen ist unkompliziert, die Schaltung bleibt unangetastet, und selbst kleinere Fehler führen selten zu echten Schäden. Bei der Strommessung aber sieht das anders aus. Hier greifen Sie aktiv in den Stromfluss ein. Ein falscher Anschluss, ein übersehener Messbereich oder ein nicht umgestecktes Kabel reicht aus, um in Sekundenbruchteilen Sicherungen auszulösen, Bauteile zu zerstören oder das Messgerät unbrauchbar zu machen.
💡 Grundprinzip der Strommessung
Der wichtigste Unterschied zur Spannungsmessung: Strom wird immer in Reihe gemessen. Das bedeutet, der Stromkreis muss aufgetrennt werden und der gesamte Strom fließt durch das Messgerät. Wird das Multimeter stattdessen parallel angeschlossen, entsteht fast immer ein Kurzschluss.
In der Praxis zeigt sich immer wieder das gleiche Bild. In Ausbildungswerkstätten, Elektronikkursen oder auch im Hobbybereich kommt es regelmäßig zu identischen Fehlern: Ein Multimeter wird falsch angeschlossen, es kommt zu einem Kurzschluss, und die Ursache ist zunächst unklar. Oft liegt das nicht an fehlender Sorgfalt, sondern daran, dass der grundlegende Unterschied zur Spannungsmessung nicht wirklich verstanden wurde.
Genau hier setzt dieser Beitrag an. Sie erfahren nicht nur, wie Sie Strom messen, sondern vor allem, warum diese Messung so funktioniert, warum eine Strommessung schnell einen Kurzschluss verursachen kann und welche typischen Fehler in der Praxis auftreten. Wenn Sie diese Zusammenhänge verstehen, können Sie Risiken früh erkennen und Strommessungen deutlich sicherer durchführen.
⚠ Hinweis
Die in diesem Beitrag beschriebenen Zusammenhänge gelten für Gleichstromkreise und Niederspannungsanwendungen, wie sie in der Elektronikausbildung typisch sind. Messungen in Netzspannungs- oder anderen Installationen (ab 230 V) sind ausschließlich ausgebildeten Elektrofachkräften vorbehalten.
Das Grundprinzip: Warum Strom messen immer in Reihe funktioniert
Um elektrischen Strom zu messen, müssen Sie das Messgerät so in die Schaltung einbringen, dass der gesamte zu messende Strom durch das Gerät hindurchfließt. In der Fachsprache nennt man das eine Reihenschaltung des Amperemeters. Und das ist keine optionale Vorgehensweise, sondern eine physikalische Notwendigkeit.
Der Grund liegt in der Definition des elektrischen Stroms selbst: Strom ist die gerichtete Bewegung von Ladungsträgern durch einen Leiter. Um diese Bewegung zu erfassen, muss das Messgerät im Stromkreis eingesetzt sein. Der Strom muss also durch das Instrument fließen. Es gibt (bis auf eine Ausnahme) keinen anderen Weg.
Diese Ausnahme bildet das sogenannte Zangenamperemeter. Dieses misst den Strom nicht, indem es in den Stromkreis eingeschleift wird, sondern kontaktlos über das Magnetfeld, das ein stromdurchflossener Leiter erzeugt. Dazu wird die Messzange um den Leiter gelegt, ohne ihn zu unterbrechen. Das Verfahren funktioniert allerdings nur bei Wechselstrom direkt und bei Gleichstrom nur mit speziellen, meist teureren Geräten. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Messung ist deutlich sicherer, weil kein Eingriff in die Schaltung notwendig ist.

Doch zurück zum Multimeter und Strom messen:
Das bedeutet in der Praxis: Bevor Sie eine Strommessung durchführen können, müssen Sie den Stromkreis an einer Stelle öffnen und das Messgerät in diese Unterbrechung einsetzen. Sie schalten das Amperemeter buchstäblich in den Stromkreis ein. Dieser Eingriff ist bewusst und erfordert Planung. Man kann das Messgerät beim Strom messen nicht einfach „dran halten“ wie eine Sonde an eine Leitung. Man könnte auch sagen:
„Die Spannungsmessung beobachtet den Stromkreis quasi von außen. Bei der Strommessung wird das Messgerät (Amperemeter) ein Teil des Stromkreises.“

Für Einsteiger ist dieser Unterschied oft abstrakt. Ein hilfreicher Vergleich aus dem Alltag:
Stellen Sie sich ein Wasserrohr vor, durch das Wasser fließt. Wenn Sie den Druck messen möchten (vergleichbar mit der Spannung), können Sie einfach seitlich ein Manometer anschließen. Das Wasser fließt ganz normal weiter, Sie greifen kaum in das System ein.
Wenn Sie hingegen die Durchflussmenge messen möchten (vergleichbar mit dem Strom), reicht das nicht aus. Sie müssen das Rohr auftrennen und ein Messgerät einsetzen, durch das das gesamte Wasser hindurchfließt. Nur so können Sie erfassen, wie viel Wasser tatsächlich pro Zeit fließt.
Der Schlüssel zum Verständnis: Der Innenwiderstand des Amperemeters
Da das Amperemeter in den Stromkreis geschaltet wird, ist es unvermeidlich, dass es selbst einen Widerstand in den Kreis einbringt. Dieser Innenwiderstand ist das zentrale technische Merkmal eines Strommessgeräts, und er muss so gering wie möglich sein.
Warum? Weil das Messgerät die Schaltung möglichst wenig beeinflussen soll. Ein hoher Innenwiderstand würde den Gesamtwiderstand im Stromkreis deutlich erhöhen, den Strom reduzieren und damit das Messergebnis verfälschen. Ein ideales Amperemeter hätte einen Innenwiderstand von genau null Ohm. In Wirklichkeit streben moderne Messgeräte Werte von wenigen Milliohm bis zu einigen Ohm an, je nach Messbereich.
Genau hier liegt die Quelle der Gefahr. Ein Messgerät mit sehr niedrigem Innenwiderstand, das zwischen zwei Punkten mit einer Potentialdifferenz (Spannung) angeschlossen wird, verhält sich wie bei einem Kurzschluss. Und genau das passiert, wenn ein Multimeter im Strommessmodus, also mit dem niedrigen Innenwiderstand des Amperemeters, parallel zu einer Spannungsquelle oder einem Bauteil angeschlossen wird.
Spannungsmessung vs. Strommessung – ein grundlegender Unterschied
Um zu verstehen, warum eine falsche Strommessung so kritisch ist, lohnt sich ein direkter Vergleich mit der Spannungsmessung. Die folgende Tabelle zeigt die wesentlichen Unterschiede auf einen Blick:
| Eigenschaft | Spannungsmessung (Voltmeter) | Strommessung (Amperemeter) |
| Schaltungsart | Parallel zum Messobjekt | In Reihe (in den Stromkreis eingeschleift) |
| Innenwiderstand | Sehr hoch (MΩ-Bereich) | Sehr niedrig (mΩ bis Ω) |
| Eingriff in die Schaltung | Minimal – Schaltung bleibt unverändert | Schaltung muss „geöffnet“ werden |
| Folge bei falschem Anschluss | Messwert verfälscht oder kein Ausschlag | Kurzschluss – sofortige Gefahr |
| Fehlerschutz im Gerät | Überspannungsschutz | Schmelzsicherung (nicht immer vorhanden) |
| Typische Vorsichtsmaßnahme | Richtigen Messbereich wählen | Stromkreis vorher öffnen! |
Das Voltmeter ist bewusst so konstruiert, dass es den Stromfluss durch sich selbst minimiert – deshalb der hohe Innenwiderstand. Das Amperemeter ist genau entgegengesetzt konstruiert: Es soll den Stromkreis so wenig wie möglich beeinflussen, also muss es den Strom möglichst ungehindert durchlassen. Beide Konstruktionsprinzipien sind richtig und sinnvoll. Aber sie machen die Geräte in ihrer Gefährlichkeit bei falschem Einsatz zu Gegensätzen.
Warum eine falsche Strommessung sofort zum Kurzschluss führt
Der Mechanismus, der zum Kurzschluss führt, lässt sich einfach aus dem Ohmschen Gesetz ableiten. Erinnern Sie sich: U = R × I, oder umgestellt: I = U / R. Wenn der Widerstand R gegen null geht, strebt der Strom I gegen unendlich. Begrenzt wird er nur durch den Innenwiderstand der Spannungsquelle und der Zuleitungen.
Genau das passiert, wenn ein Multimeter im Strommessmodus (niedriger Innenwiderstand) direkt an eine Spannungsquelle oder parallel zu einem Verbraucher angeschlossen wird. Die anliegende Spannung treibt einen enormen Strom durch das Gerät. In den meisten Fällen übersteigt dieser Strom den zulässigen Messbereich innerhalb von Millisekunden.
⚠ Häufigster Fehler in der Praxis
Das Multimeter steht noch auf Strommessung und wird wie gewohnt parallel angeschlossen. Dadurch überbrücken Sie die Spannungsquelle nahezu direkt. Es entsteht sofort ein Kurzschluss. Dieser Fehler passiert oft aus Gewohnheit und ist eine der häufigsten Ursachen für defekte Messgeräte.
Gefahr: Was in diesen Millisekunden passiert
Fließt ein vielfach überhöhter Strom durch das Multimeter, passiert Folgendes: Zunächst löst die interne Schmelzsicherung aus, falls vorhanden und für diesen Strommessmodus vorgesehen. Ist die Sicherung zu langsam, überhitzen die internen Shunt-Widerstände (Messwiderstände) und werden zerstört. Im Extremfall, zum Beispiel bei direktem Anschluss an eine Autobatterie oder ein Netzteil mit hoher Kurzschlussstromfähigkeit, können Lichtbögen entstehen. Auch die Schaltung selbst wird dabei oft in Mitleidenschaft gezogen.
Ein anschauliches Rechenbeispiel verdeutlicht das Ausmaß: Angenommen, Sie haben ein 9-Volt-Netzteil und ein Multimeter im Strommessmodus mit einem Innenwiderstand von 0,5 Ohm. Der resultierende Strom wäre I = 9 V / 0,5 Ω = 18 Ampere. Die meisten günstigen Multimeter sind für 10 Ampere im Strommessmodus ausgelegt. Der 1,8-fache Überstrom würde die Sicherung innerhalb von Millisekunden zerstören. Bei einer Autobatterie (12 V, Innenwiderstand ca. 5 mΩ) ergäben sich Stöme von mehreren hundert Ampere, begrenzt nur durch den Leitungswiderstand.
Typische Fehlerbilder in der Praxis
In der Ausbildungspraxis wiederholen sich bestimmte Fehler mit erstaunlicher Regelmäßigkeit. Die Kenntnis dieser Muster hilft Ihnen, sie zu erkennen und zu vermeiden.
Fehler 1: Messleitung im falschen Anschluss
Die meisten Multimeter verfügen über mehrere Eingangsbuchsen. Typischerweise gibt es eine gemeinsame Masse (COM), eine Buchse für Spannungs-, Widerstands- und kleine Strommessungen (VΩmA) sowie eine separate Buchse für große Ströme (10 A oder 20 A). Ein häufiger Fehler: Der Bediener wählt auf dem Drehwahlschalter den Strommessbereich, lässt die Messleitung jedoch in der Spannungsmessbuchse stecken. Das Ergebnis ist dann eine fehlerhafte Messung beziehungsweise keine Anzeige oder – wenn die interne Schaltung dies so vorsieht – ein Kurzschluss über den Messeingang. Umgekehrt ist es wesentlich gefährlicher: Messleitung in der Strombuchse, aber Spannungsmessung durchführen. Dann wird die Spannungsquelle über den niederohmigen Strompfad kurzgeschlossen.
Fehler 2: Parallelschalten statt Reihenschaltung
Wer die Spannungsmessung gewohnt ist, neigt unbewusst dazu, auch das Amperemeter parallel anzuschließen. Dieser Reflex ist verständlich, aber fatal. Das Messgerät liegt dann direkt zwischen zwei Punkten mit einer Potentialdifferenz und bildet mit seinem niedrigen Innenwiderstand einen Kurzschlusspfad.
Fehler 3: Vergessene Umschaltung nach der Messung
Nach einer Strommessung bleibt das Multimeter im Strommessmodus eingestellt. Wenn die nächste Person oder man selbst kurze Zeit später eine Spannungsmessung durchführen möchte, schließt sie das Gerät parallel an, ohne zu bemerken, dass es noch im Amperemessmodus ist. Die Folge ist ein unmittelbarer Kurzschluss. Dieser Fehler ist besonders tückisch, weil die äußeren Umstände genau wie eine normale Spannungsmessung aussehen.
Fehler 4: Falscher Messbereich ohne ausreichende Sicherungskapazität
Wird der Messbereich zu klein gewählt (zum Beispiel 200 mA bei einem tatsächlichen Strom von 2 A), überlastet der Strom das Messgerät erheblich. Falls die interne Sicherung für diesen Messbereich zu träge reagiert oder bereits durch frühere Fehler geschwächt ist, kann auch das zur Zerstörung führen.
✔ Gute Praxis
Viele erfahrene Elektroniker und Ausbilder empfehlen, nach jeder Strommessung sofort den Messbereich auf Spannung zurückzustellen, bevor die Messleitungen abgezogen werden. So ist das Gerät immer im „sicheren“ Zustand, sobald es die nächste Person in die Hand nimmt.

So führen Sie die Strommessung sicher durch
Eine korrekte Strommessung folgt einem klaren Ablauf, der nichts dem Zufall überlässt. Die folgenden Schritte gelten für Gleichstromkreise in der Elektronikausbildung:
1. Schaltung spannungslos schalten
Schalten Sie die Versorgungsspannung ab, bevor Sie irgendetwas an der Schaltung verändern. Das ist nicht optional, es ist die Grundregel jeder Modifikation.
2. Messbereich korrekt wählen und Leitung richtig einstecken
Stecken Sie die rote Messleitung in die korrekte Buchse für die Strommessung (z. B. „10A“ oder „mA“) und wählen Sie einen Messbereich, der sicher über dem erwarteten Strom liegt. Im Zweifel immer mit dem größten Bereich beginnen.
3. Stromkreis an einer Stelle öffnen
Trennen Sie den Stromkreis an genau der Stelle, an der Sie den Strom messen möchten. Das kann durch Lösen einer Verbindung, Entfernen eines Bauteils oder durch eine eigens dafür vorgesehene Messpunktstruktur auf der Platine geschehen.
4. Messgerät in die Unterbrechung einschalten
Schließen Sie die Messleitungen so an, dass das Messgerät die Unterbrechung überbrückt. Achten Sie auf die Polarität: Die rote Leitung (+) muss zum höheren Potential zeigen, damit der Strom korrekt durch das Gerät fließt.
5. Versorgungsspannung einschalten und Wert ablesen
Jetzt erst schalten Sie die Spannung zu. Lesen Sie den angezeigten Wert ab. Ist er deutlich kleiner als der gewählte Messbereich, können Sie auf einen kleineren Bereich wechseln, um die Auflösung zu verbessern.
6. Spannungslos schalten, Gerät entfernen, Schaltung schließen
Schalten Sie die Versorgung ab, entfernen Sie das Messgerät und stellen Sie die Schaltung wieder her. Stellen Sie das Multimeter sofort auf Spannungsmessung zurück. Vergessen Sie nicht, die rote Leitung wieder an VΩ anzuschließen.
Grenzen der Strommessung und wann Sie besser die Finger davon lassen
Auch wenn die Strommessung mit dem Multimeter in der Elektronikpraxis ein nützliches Werkzeug ist, hat sie klare Grenzen, die Sie kennen müssen.
Der wichtigste Punkt: Eine Strommessung erfordert immer einen Eingriff in die bestehende Schaltung. In industriellen Anlagen, in Netzspannungsinstallationen oder in Systemen, bei denen eine Unterbrechung zu Datenverlust, Maschinenstillstand oder sicherheitskritischen Zuständen führen würde, ist eine direkte Strommessung mit dem Multimeter nicht praktikabel. Hier kommen stattdessen sogenannte Stromzangen (Clamp-Meter) zum Einsatz, die den Strom berührungslos über das magnetische Feld um einen Leiter messen, ohne den Stromkreis zu öffnen.
Ein weiterer kritischer Punkt betrifft Wechselstromsysteme und insbesondere die Haushaltsstromversorgung. Messungen an 230-V-Installationen sind ausnahmslos Elektrofachkräften vorbehalten. Die Kombination aus hoher Spannung und der Notwendigkeit, den Stromkreis zu öffnen, erzeugt Gefahren, die für unausgebildete Personen lebensgefährlich sind. Auch der Einsatz handelsüblicher Einsteiger-Multimeter an solchen Installationen ist gefährlich, da diese Geräte oft keine ausreichende Überspannungskategorie (CAT II, III oder IV) mitbringen.
⚠ Wann Sie besser nicht direkt Strom messen
Wenn Sie den Stromkreis nicht genau verstehen, hohe Ströme erwarten oder an Netzspannung arbeiten, sollten Sie auf eine direkte Strommessung verzichten. In vielen Fällen ist eine indirekte Messung über Spannungsabfälle die sicherere Alternative.
In der Ausbildung und im Elektronikhobbylabor gilt zudem: Wenn Sie den Strom in einem Stromkreis nicht abschätzen können, beginnen Sie immer mit dem höchsten verfügbaren Messbereich. Strom kann in Schaltungen mit kapazitiven oder induktiven Bauteilen beim Einschalten kurzzeitig viel höher sein als im stationären Betrieb. Diese sogenannten Einschaltströme werden vom Multimeter unter Umständen nicht korrekt erfasst und können die Sicherung im Messgerät auslösen, selbst wenn der Nennstrom im normalen Betrieb völlig harmlos wäre.
⛔ Absolutes Verbot
Führen Sie niemals eigenmächtig Strommessungen an 230-Volt-Hausinstallationen, Verteilerkästen, Steckdosen oder sonstigen netzspannungsführenden Leitungen durch. Selbst wenn das Gerät eingeschaltet scheint und ein Messwert angezeigt wird. Sie können nicht wissen, ob Sie sicher sind. Hier gilt: Finger weg, Fachmann rufen.
Die Strommessung erfordert Verständnis, nicht nur Technik
Die Strommessung ist in der Elektronikpraxis unentbehrlich, aber sie vergibt keine Fehler so großzügig wie die Spannungsmessung. Wer versteht, warum das Amperemeter in Reihe geschaltet wird, warum sein Innenwiderstand so gering ist und was physikalisch passiert, wenn es falsch eingesetzt wird, der begeht die typischen Anfängerfehler nicht.
Das zentrale Lernziel ist nicht das Auswendiglernen einer Schritt-für-Schritt-Anleitung. Es ist das Verständnis des Grundprinzips: Das Amperemeter ist kein Beobachter, sondern ein Teil der Schaltung. Diese gedankliche Verschiebung verändert, wie Sie zukünftig an jede Strommessung herangehen, mit Planung, mit Bewusstsein für den Eingriff, den Sie vornehmen, und mit Respekt vor den Energien, die in elektrischen Schaltungen wirken.
Wenn Sie dieses Grundverständnis verinnerlicht haben, werden Sie auch komplexere Messprinzipien wie die Hall-Sensor-basierte Strommessung, den Shunt-Widerstand oder die Strommessung über den Spannungsabfall schnell einordnen und sicher anwenden können. Die Grundlagen bleiben dieselben. Die Physik ändert sich nicht.
Zusammenfassung: die wichtigsten Punkte auf einen Blick
Strommessung ist kein einfaches Anhängen von Messleitungen. Sie verändert aktiv den Stromkreis und birgt bei falschem Vorgehen ernsthafte Risiken für Gerät und Schaltung.
- Strom wird immer in Reihe gemessen. Das ist physikalisch zwingend, nicht optional.
- Das Amperemeter hat einen sehr niedrigen Innenwiderstand, parallel geschaltet wirkt es wie ein Kurzschluss.
- Ein falsch angeschlossenes Multimeter im Strommessmodus kann in Millisekunden zerstört werden.
- Der Stromkreis muss vor jeder Strommessung spannungslos geöffnet werden.
- Immer den größten Messbereich zuerst wählen und erst dann verfeinern.
- Nach jeder Strommessung das Gerät sofort auf Spannung zurückstellen.
- An Netzspannungsinstallationen (230 V) gehört die Strommessung ausschließlich in die Hände von Elektrofachkräften.
Wenn Sie sich tiefer in das Thema einarbeiten möchten, lohnt sich ein Blick in verwandte Beiträge. Im Artikel „Multimeter richtig benutzen – typische Fehler und sichere Messpraxis“ erfahren Sie, wie Sie Messgeräte korrekt einsetzen und typische Bedienfehler vermeiden. Ergänzend dazu zeigt „Sicher messen in Werkstatt und Betrieb – Gefahren, Regeln und typische Fehler“, welche Risiken im Alltag auftreten und wie Sie sicher damit umgehen. Für ein besseres Gesamtverständnis der Zusammenhänge empfiehlt sich außerdem „Die wichtigsten elektronischen Bauteile in der Praxis – verständlich erklärt“, da viele Messfehler direkt mit dem Verhalten einzelner Bauteile zusammenhängen.
FAQ zum Thema Strom messen mit dem Multimeter
Beim Strom messen wird das Messgerät in Reihe in den Stromkreis eingefügt. Ein falscher Anschluss kann dazu führen, dass ein Kurzschluss entsteht, da das Multimeter einen sehr geringen Innenwiderstand hat. Dadurch können Bauteile, Leitungen oder das Messgerät selbst beschädigt werden.
Strom ist die Bewegung von Ladungsträgern durch einen Leiter. Um ihn zu messen, muss das Messgerät direkt in den Stromfluss eingebunden werden. Deshalb wird das Amperemeter immer in Reihe geschaltet, sodass der gesamte Strom durch das Gerät fließt.
Wird das Messgerät falsch angeschlossen, zum Beispiel parallel statt in Reihe, entsteht meist ein Kurzschluss. Das kann zu Funkenbildung, ausgelösten Sicherungen oder zerstörten Bauteilen führen.
Ja, besonders wenn das Multimeter auf Strommessung eingestellt ist und parallel angeschlossen wird. In diesem Fall wirkt es fast wie ein Draht und überbrückt die Spannungsquelle direkt.
Der Stromkreis muss an der gewünschten Stelle unterbrochen werden. Anschließend wird das Multimeter in Reihe eingefügt. Wichtig ist, dass die richtigen Anschlüsse und der passende Messbereich gewählt werden.
Ja, in vielen Fällen kann der Strom indirekt über den Spannungsabfall an einem bekannten Widerstand berechnet werden. Alternativ kann ein Zangenamperemeter verwendet werden, das den Strom kontaktlos misst.
Wenn der Stromkreis unklar ist, hohe Ströme auftreten können oder Netzspannung im Spiel ist, sollte auf eine direkte Strommessung verzichtet werden. In solchen Fällen ist besondere Vorsicht erforderlich oder Fachkenntnis notwendig.
Über den Autor
Gerd Weichhaus ist Buchautor und beschäftigt sich seit vielen Jahren praktisch mit Elektronik, Reparaturtechnik und der Analyse technischer Zusammenhänge.
Seine Inhalte verbinden praktische Erfahrung mit verständlichen Erklärungen, sodass auch Einsteiger Technik nachvollziehen können. Mehr über den Autor